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In sieben Sekunden von 0 auf 160 km/h
Statoren aus Aigenstadl: Tempo für schnellste Achterbahnen der Welt
Fa. Tauscher liefert in dieser Woche die Antriebs- Technik für ein Disneyworld-Pilotprojekt Von Peter Püschel, Freyung.
Stolz zeigt Heinz-Herbert Berger, der Geschäftsleiter der Aigenstadler Transformatorenfabrik Tauscher, ein Foto von der schnellsten Achterbahn der Welt. Denn für den Superlativ "schnellste" hat seine Firma gesorgt. Spezialanfertigungen waren schon immer die Stärke der Firma Tauscher. Und so war es für das Unternehmen, das in der ehemaligen Aigenstadler Schule induktive Spezialteile produziert, eine willkommene Herausforderung, als es vor vier Jahren galt, das Antriebsprinzip einer Magnetschwebebahn auf neuartige Achterbahnen zu übertragen. Tauschers Statoren für Linearmotoren sind Energie-Bündel im Blumenkasten-Format. 80 Zentimeter lang, 20 Zentimeter hoch, 15 Zentimeter breit, 80 Kilogramm schwer - und Stück für Stück 170 PS stark! Das zu realisieren war das bislang erfolgreichste Meisterstück der Tauscher-Belegschaft: "Wir mussten enorme Ströme auf engstem Raum unterbringen", erklärt Berger, "die hohe Energiedichte erfordert eine kompakte Bauweise und eine optimale Isolierung". Die Statoren müssen impulsartige Hochbelastungen aushalten, rund 1000 Ampere in Bruchteilen einer Sekunde. Das Innovative an dieser Technik: Die Statoren werden wie eine Schiene aneinandergereiht. Darüber sitzt die Achterbahn-Kabine mit einem Magneten. Setzt man die Statoren unter Strom, beschleunigen wandernde Magnetfelder die Bahn in einem Wahnsinns-Tempo nach vorne. Die "schnellste Achterbahn der Welt" hat Warner Bros. im Vergnügungspark "Six Flags Magic Mountain" bei Los Angeles gebaut. Ein Riesen-Gestell in L-Form. Tauschers Linearantrieb beschleunigt die Fahrgast-Kabine in nur sieben Sekunden von 0 auf 160 km/h und schie§t sie 128 Meter (41 Stockwerke) senkrecht in die Höhe. Oben angekommen, erleben die Fahrgäste einige Sekunden lang das Gefühl der Schwerelosigkeit, bevor es im freien Fall zurück geht. Unten wirkt die Lineartechnik als Bremse. "Die Amusementbranche sucht nach immer neuen Attraktionen für die Freizeitparks", sagt Heinz-Herbert Berger, "die Kunden wie zum Beispiel Warner Bros. oder Disney zögern zunächst lange, sind dann aber recht kurz entschlossen und wollen am besten gleich nach der Bestellung die Lieferung". So musste die Tauscher GmbH Ende 1995 für die "Six Flags Magic Mountain"-Bahn 320 Statoren innerhalb von fünf Wochen liefern und konnte dies nur mit Überstunden, Wochenendarbeit und mit einer zweiten Firma in Tschechien bewältigen. Für eine zweite Bahn, die "Kings Dominion" in Australien, hat Tauscher die Statoren im Sommer 1996 geliefert. Seit Dezember letzten Jahres hat man nun einen neuen dicken Fisch am Haken: Disneyworld! Ein Pilotprojekt für eine neue Achterbahn wird derzeit in Holland gebaut - und Tauscher wird Ende dieser Woche 111 Statoren für den Magnetfeld-Antrieb liefern. Die neue Bahn, die im Erfolgs-Fall in vielen Freizeitparks weltweit gebaut und dann natürlich einen Riesen-Auftrag für Tauscher bedeuten würde, hat Jules Vernes "Reise zum Mond" als Thema: Die Kabinen werden durch ein Kanonenrohr nach oben auf die Bahn "geschossen". Ein herkömmlicher Kettenantrieb würde diese enorme Bergauf-Beschleunigung nie schaffen, das schaffen nur Tauschers wandernde (rasende) Magnetfelder. "Wir hoffen natürlich, dass Disney darauf anspringt", sagt Berger - das wäre ein Auftrag!
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